von Kai Mühlbauer

Es gibt keine Ausbildung zum Ehrenamtler wie beispielsweise zum
Schlosser oder Dachdecker. Man kann es auch nicht studieren.
Aus diesem Grund kommen die meisten Menschen zum Ehrenamt, wie die
Jungfrau zum Kind.

So war es auch bei mir. 2006 pünktlich zur ersten Jahreshauptversammlung
in meinem neuen Verein FC Hertha Bonn 1918 e.V. waren Beisitzer-Plätze
zu vergeben. Mit einem “das ist nur Proforma” war ich auch schon
überredet. Meine Ehrenamtskarriere war gestartet, ohne das ich es
überhaupt bemerkt hatte.

2007 im Herbst kam dann der Sprung ins richtig kalte Wasser. Eine
Erkrankung des damaligen Geschäftsführers machte eine Neubesetzung
notwendig. Woher nehmen, wenn nicht stehlen, fragte man sich im
Vorstand. Da musste dann die Beisitzer-Bank herhalten. Ich sagte zu,
ohne zu wissen, was das für mich persönlich, für meine Familie und
natürlich für meinen Verein bedeutete.

Keine zwei Monate später traf dann bereits der Vorstand die
Entscheidung, die Jugendabteilung wieder aufzubauen. Das wir es
schaffen, wieder eine Jugendabteilung zu etablieren, war anfangs nicht
abzusehen. Aber dass es einige Zeit dauern würde (heute wissen wir
mindestens 10 Jahre), dass war mir schon bewusst.

Zunächst kümmerte ich mich aber um die Digitalisierung, Pass-Online und
die Vereinsverwaltung des DFB, das DfbNet war im Aufbau und wir die
Nutzer der ersten Stunde. Ziel war, die Vereinsverwaltung (Mitglieder,
Beiträge etc) unabhängig von Personen im Vorstand zu machen, so dass ein
Ausfall schnell und sicher kompensiert werden kann. Gleichzeitig knüpfte
ich Kontakte zum Fussball Kreis Bonn des Fußballverbandes Mittelrhein,
zur Stadtverwaltung und zur Politik, um die Aussendarstellung unseres
Vereins zu verbessern. Dazu gehörte auch die Administration der
Internetseite, die vom ausgeschiedenen Geschäftsführer in den Verein
gebracht wurde.

2008 im April startete dann das erste Training unserer neuen Jugend
unter Leitung von Hertha-Urgestein Horst Salomon. Der Zeitaufwand
steigerte sich fast unmerklich. Neue Aufgaben, wie Leitung des Bambini
Hallentrainings und regelmäßige Besuche des Kreisjugendausschusses in
Graurheindorf (zur Anmeldung neuer Jugendspieler) kamen hinzu, damit das
junge Pflänzchen auch weiter gedeiht. Außerdem musste sowohl Satzung als
auch Beitragsordnung angepasst werden und unpopuläre Entscheidungen wie
Erhöhung des Mitgliedsbeitrags durchgesetzt werden (Beitrag Stand 2006:
2.70 Euro pro Monat)

In diesen Zeiten des Umbruchs traten dann auch die Todfeinde des
Ehrenamts erstmals auf den Plan, die “Vereinsinternen Querelen”. Im
Seniorenbereich knarrte und knirschte es an allen Ecken. Zwei
Seniorenmannschaften, die sich nicht grün waren, und die sich
gegenseitig nicht unterstützen, brachten meine Frustrationstoleranz
manches mal in den Grenzbereich. Dies mündete sogar in die Absage der
90-Jahr-Feier, in deren Vorbereitung ich die Vereinschronik aus
alten Festschriften für die Internetseite digitalisierte. Dabei lernte
ich die wechselhafte Geschichte unseres Vereins kennen und sie
faszinierte mich. Da steckten Herzblut und viel Schweiß in
unserem Verein, was mich nachhaltig beeindruckte.

Ein weiterer Todfeind des Ehrenamts schlich sich 2010 auf den Platz, der
im Frühjahr desselben Jahres halbseitig gesperrt wurde. Ignorante
Sportverwaltung gepaart mit kurzsichtiger Politik setzen dem Ehrenamt am
Eindringlichsten zu. Sich gegen diese Feinde zu wehren, erfordert dem
Ehrenämtler alles ab. Ohne Unterstützung und Rückhalt aus Verein und
besonders Familie bedeutet das häufig die Aufgabe. Die drei Jahre bis
2013 waren die härteste Zeit. Schreiben an Politiker, zahllose Gespräche
mit Sportverwaltung, Bürgerantrag und vieles weitere neben der normalen
Vereinsgeschäftsführung frustrierten mich mehr, als es vereinsinterne
Querelen je konnten.

2012 bäumte sich der gesamte Bonner Sport gegen diese Geringschätzung
durch Politik und Verwaltung auf. Ehrensache, dass ich ProSportstadtBonn
unterstützen musste. Wenn Du allein zu schwach bist, schließe Dich mit
anderen zu einer starken Einheit zusammen. Das gilt nicht nur im Verein,
sondern vereinsübergreifend in der Sportlerfamilie.

Dennoch fühlte ich mich ausgelaugt und der dritte Todfeind des Ehrenamts
trat auf den Plan. Überlastung durch die Vielzahl der Ehrenamts-Aufgaben
neben beruflicher Fortentwicklung kann der Tod des Ehrenamts sein. Ich
entschied mich zur Abgabe von Aufgaben, ein Entschluss den ich mit
meiner Familie getroffen habe und der mir nicht leicht gefallen ist. Ein
Jahr vor meinem Ausscheiden als Geschäftsführer teilte ich dem Vorstand
und der Mitgliederversammlung meinen Entschluss mit.

Mit der Betreuung des Internetauftritts und meinem neuen Amt als
Kassenprüfer konnte und kann ich meinem Herzensverein weiterhin
unterstützen, ohne den frühen Ehrenamtstod zu sterben.

Unschätzbar und untrennbar mit dem Ehrenamt verbunden ist auch die
Unterstützung durch Familie und Partner bzw. Partnerin. Ohne diese
Unterstützung ist das Ausfüllen eines Ehrenamtes oftmals überhaupt nicht
möglich. Vielen Dank für Eure Unterstützung und Euer Verständnis.

Der größte Dank war für mich immer, wenn Projekte gut durchgeführt
wurden und die Mitglieder zufrieden mit der Arbeit des Vorstandes waren.
Aber auch wenn Außenstehende die Arbeit unseres Vereins öffentlich oder
auch im kleinen Kreis lobten. Unschätzbar auch die vielen Menschen, die
ich während dieser Zeit kennen und aus denen einige Freundschaften
hervorgingen. Die glücklichen Kinderaugen nach einem gewonnenen Spiel
oder bei einer Weihnachtsfeier sind sicher auch heute noch gleichsam
Ansporn und Dank! Kleine Gesten wie ein Schulterklopfen oder ein fester
Händedruck verbunden mit einem “Danke” motivierten mich ebenfalls.

Umso mehr freue ich mich über die Silberne Ehrennadel des
Fußballverbandes Mittelrhein. Eine Anerkennung, die in Zukunft
sicherlich weitere Ehrenämtler aus unserem Verein erhalten und somit ihr
Engagement für den Fußballsport gewürdigt wird. Lieber Jugendleiter,
liebe Trainer und  Betreuer, Kassierer und Kassenprüfer,
Vorstandsvorsitzende und alle, die ich nun in Ihrer Funktion vergessen
habe, gehen wir den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiter. Ich danke Euch
für Euren Einsatz von Herzen!

Liebe Vereinsmitglieder, liebe Eltern unserer Jugenspieler, unsere
Ehrenämtlerinnen und Ehrenämtler, in gewählten und nicht gewählten
Ämtern sind der Kitt unseres Vereins. Sie investieren ihre Freizeit und
füllen durch Ihre Arbeit unseren Verein mit Leben. Unterstützt sie, wo
Ihr nur könnt, am besten natürlich indem Ihr selbst ein Ehrenamt
übernehmt. Es lohnt sich!

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